Bist du im Sein oder bist du auf der Suche?
Wer auf der Suche ist, verhält sich anders als jemand, der das Gesuchte bereits hat. Wer den Schlüssel sucht, ist hektisch, gestresst, vielleicht sogar panisch. Wer den Schlüssel hat, ist kaum anders als sonst. Das Gleiche gilt für Einstellungen und Phasen im Leben.
Single (beziehungssuchend) oder Single (beziehungsbereit); kleiner Unterschied im Wort, riesiger Unterschied im Verhalten. Dem einen fehlt etwas, der andere ist komplett.
Warum geben wir ein Trinkgeld, aber nicht dem Bettler? Welch zynische Ironie des Schicksals ist es, dem Durstigen Wasser zu verwehren und den zum Überlaufen Vollen damit zu begießen. Aber das ist, was in unserer Welt geschieht. Es regnet nicht in der Wüste, und in Tälern fällt kein Schnee. Die Umgebung bestimmt die Bedingungen, die vorherrschen, und das, was darin möglich ist. So wie Bäume ab einer bestimmten Höhe nicht mehr gedeihen, verwelken helfende Taten oder finden Worte am Suchenden keinerlei Halt. Da er sucht, ist er blind für manches um sich herum. Die Scheuklappen und der Tunnelblick fordern ihren Preis.
Aber wie wird ein Suchender zum Habenden?
Wie wird aus Nichts etwas?
Wie weitet man seinen Blick?
Muss ein Suchender tatsächlich etwas haben, um Habender zu sein, oder reicht es zu sein, um das Gleiche auszustrahlen wie ein Habender?
In der Tat gibt es einen Punkt dazwischen: einen Ort, an dem das, was dem Suchenden anhaftete, nicht mehr ist, er aber noch nicht habend ist. Könnte es sein, dass dann Haben wiederum zu Verfall führt? Ähnlich einem Bierbauch in der Ehe: Man hat ja, man hat erreicht, was man wollte, und muss nicht mehr auf sich achten. Diese Hybris des Habenden führt unbeobachtet zu Verfall. Nach zu viel Verfall erschrickt der Habende eines Morgens und trauert um seinen Verlust. Er ist wieder Suchender, und der Kreis beginnt von vorn.
Man fragt sich: Kann man es dem Suchenden einfacher machen?
Die Antwort ist: Vermutlich nein. Das Kleid des Suchenden muss jener selbst ablegen. Selbst wenn man es ihm mit Gewalt vom Leib reißen würde, so suchte er morgen bereits wieder nach jenem Gewand, um sich zu kleiden. Er kann die Hilfe weder annehmen noch sehen. Die Veränderung muss aus dem Inneren entstehen. So sehr es auch schmerzt, nur zusehen zu können: Dies ist der Lauf der Dinge.