Diskohäsion, welch passendes Wort für die Gesellschaft, in der ich lebe.
Dis- (auseinander, un-, zer-, nicht), Kohäsion (lat. cohaerere = zusammenhängen, Zusammenhalt). Diskohäsion = Nichtzusammenhalt oder Auseinanderhalt.
Etwas, das zusammenhängt, obwohl es bereits zerbrochen ist und auseinander will.
Ein Zustand der Disharmonie; ein Zerfallen, das eingefroren ist:
Die Kaffeetasse, deren einzelne Stücke mit Klebeband zusammengehalten werden, oder die Beziehung in der man sich bereits gegenseitig drei Mal betrogen hat, und trotzdem zusammenbleibt.
Eine Gruppe, die sich misstraut ist zwar noch eine Gruppe, aber welchen Preis bezahlt man für diesen Zusammenschluss? Logisch ist diese Gruppe stärker und besser aufgestellt, doch emotional möchte sich das Konstrukt zerstieben.
Diskohäsion:
Ein forcierter Zusammenhalt, der durch äußere Umstände aufrechterhalten wird, während das Innere zerbrochen ist und schon gar nicht mehr ist. Wie das Paket mit dem chinesischen Porzellan, bei dem der Postbote bereits beim Anheben hört, dass es kein Porzellan mehr ist, sondern ein Haufen Scherben; Schrödingers Porzellanlieferung. Vielleicht muss das Geräusch so, doch wenn man weiß, es sollte nur ein Teil sein, weiß man Bescheid.
Schütteln wir die Gesellschaft, so ist sie bereits ein Scherbenhaufen. Einzelne wundervolle Teile; der Regenbogen erstrahlt durch die prismahaften Kanten. Einzelne Teile, die für sich, wunderschön sind und sich selbst schleifen. Die Teekanne: zerbrochen.
Warum nicht Dissoziation? Da sich hier tatsächlich etwas trennt und mehr der Prozess als der Zustand gemeint ist.
Warum nicht Inkohäsion? Da es das Gegenteil von Zusammenhalt meint und dort ist er noch vorhanden, aber im Begriff zu gehen.
Diskohäsion hingegen ist geladen mit innerer Spannung. Sie beschreibt ein Dazwischen: Die Bindungskräfte wirken noch, aber sie arbeiten gegen die Natur der Teile. Es ist nicht das Fehlen von Halt, sondern ein: „Auseinanderhalt“.
Den Rat, den man diesem System geben möchte: "Reiß dich zusammen oder geh auseinander, halt".